- Industries
- Personal Care
- Fokusberichte
Lab-Grown Rohstoffe – Biotechnologie für die Kosmetikindustrie
Contact person
Dr. Alexander Stubenvoll
Senior Technical Sales & Product Management Actives
IMPAG Group
Die Biotechnologie bietet die Möglichkeit, wissenschaftlich fundierte Inhaltsstoffe zu entwickeln, ohne dabei die Umwelt zu belasten. Lassen Sie sich inspirieren!
Lab-Grown... Was heißt das?
Lab-Grown heißt aus dem Englischen übersetzt “im Labor gewachsen” und steht ganz allgemein für die Schaffung unterschiedlicher Endprodukte durch Verwendung chemischer, physikalischer oder biomolekularer Prozesse im Labor. Als Beispiel kennt man Lab-Grown Diamanten oder Lab-Grown Fleisch.
Beschränkt man die Begrifflichkeit auf biomolekulare Prozesse als effiziente Herstellungsverfahren für chemische Verbindungen ist man bei der Biotechnologie (Biologie + Technologie).
Bekannte Anwendungen sind Fermentationen in der Nahrungsmittelindustrie: Sauerkraut, Käse, Bier, Wein etc., oder auch neuere Anwendungen in der Medizin wie die Penicillin-Herstellung.
Nachhaltige Kosmetik 2.0
Auch für die Inhaltsstoffe in der Kosmetik wird vermehrt auf Biotechnologie gesetzt. Auf diese Weise gewonnen kann man von „clean“ im engsten Sinne sprechen. Weder für die Kultivierung noch für die Extraktion werden toxische Substanzen benötigt, man hat einen geringeren Rohstoffverbrauch und benötigt wesentlich weniger Fläche, die dann zum Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden kann. Das führt zu Einsparungen bei CO2 und Wasser und somit zu einer generell geringeren Auswirkung auf die Umwelt. Zu guter Letzt ist die Nachverfolgbarkeit relativ einfach. Produkte mit solchen Inhaltsstoffen könnte man als nachhaltige Kosmetik 2.0 bezeichnen. Das passt zur Trendbewegung in der kosmetischen Industrie und dem wachsenden Bewusstsein der Verbraucher, dass „natural/natürlich“ nicht immer gleich nachhaltig“ ist. „Clean" ersetzt nach und nach den Claim "natural”.
Biotechnologische Anwendungsbereiche in der Kosmetik
Durch die Vielzahl an Anwendungen von Biotechnologie in unserem Umfeld hat sich ein Farbcode (Rainbow code) etabliert, zur Differenzierung der unterschiedlichen Gebiete. Die Kosmetik bedient sich dabei unterschiedlicher Bereiche, hauptsächlich aber aus Folgenden:
Grüne Biotechnologie
- Pflanzenbasierte Biotechnologie
- Verwendet Enzyme oder Pflanzen zur Herstellung von kosmetischen Rohstoffen
- Beispiel: Pflanzenstammzellen
Weiße Biotechnologie
- Industrielle Biotechnologie
- Verwendet Mikroorganismen (Bakterien, Hefe) zur Herstellung von kosmetischen Rohstoffen
- Beispiel: Fermentation
Blaue Biotechnologie
- Marine Biotechnologie
- Basiert auf Algen oder marinen Bakterien, die in Bioreaktoren wachsen
- Beispiel: Algenextrakte
Fermentation: die Gelegenheit!
Neben dem Nachhaltigkeits-Aspekt weisen biotechnologische Verfahren noch weitere Vorteile für die Produktion von kosmetischen Rohstoffen auf:
- Gezielte Produktion eines Wirkstoffes
- Standardisierung leichter möglich
- Gewinnung von seltenen Molekülen
- Nutzung von geschützten Spezies möglich
- Klima-unabhängig (Ernte-unabhängig)
Laut einer MINTEL-Studie1 wird Fermentation als cutting edge-Technologie und DIE Gelegenheit bezeichnet, und die neu lancierten Produkte mit diesem Claim wachsen weltweit von Jahr zu Jahr. Mintel’s Trendreport 20302 sagt Biotech Beauty auch zukünftig ein kräftiges Wachstum voraus. In einer europaweiten Umfrage3 zu Lab Grown Ingredients stimmte der Großteil der Befragte folgendem zu:
- „Ich würde mich ermutigt fühlen, Körperpflegeprodukte zu kaufen, die ausschließlich aus im Labor hergestellten Inhaltsstoffen bestehen, wenn sie...“,
- …besser wären für unseren Planeten als herkömmliche Produkte
- …wirksamer wären als herkömmliche Produkte
Quellen:
- Mintel GNPD (ferment claim; all facial care), March 2017-February 2022
- Mintel’s Trendreport 2030 “The Panorama of Humanity”
- Base: internet users aged 16+ who would not be willing/are unsure to buy beauty and personal care products made exclusively with lab-created ingredients rather than their natural equivalents (France: 729; Germany: 1,539; Italy: 670; Spain: 638), Source: Kantar Profiles/Mintel, January 2020